Release v0.17.0: Der deterministische MaStR-Datenqualitätsagent für Verteilnetzbetreiber

Cernion v0.17.0 bringt eine 8-stufige Audit-Pipeline zur automatischen Bereinigung kompletter MaStR-Portfolios. KRITIS-konform und bereit für Redispatch 2.0.

Heute Nachmittag haben wir in unserer Analyse zur BNetzA-Konsultation (BK6-23-241) die massiven Diskrepanzen im Marktstammdatenregister (MaStR) thematisiert. Bei Cernion gilt der Vorsatz "Work Out Loud": Wir belassen es nicht bei theoretischen Analysen, wir shippen den Code, der das Problem löst.

Passend dazu rollen wir mit dem heutigen Release v0.17.0 den MaStR Datenqualitätsagenten (mastr-quality service) aus.

Deterministisches Audit statt LLM-Blackbox

Im KRITIS-Umfeld von Verteilnetzbetreibern (VNB) und mit Blick auf den EU AI Act (Art. 12, Audit Trail) ist absolute Nachvollziehbarkeit zwingend erforderlich. Deshalb arbeitet unsere neue 8-stufige Audit-Pipeline zu 100 % deterministisch. Es ist bewusst kein LLM involviert. Identische Eingangsdaten produzieren garantiert identische Fehlercodes.

Der Agent analysiert das komplette MaStR-Portfolio eines VNB in einem Rutsch und jagt es durch folgende Pipeline:

  1. Identity & Inventory: Exakte Auflösung der VNB-Identität und Pull des vollständigen Anlagen-Portfolios (ohne Filter, um auch Dateileichen zu erfassen).
  2. Status Anomalies: Aufspüren von Anlagen, die z.B. seit über 2 Jahren im Status "In Planung" hängen, oder operative Anlagen ohne Inbetriebnahmedatum.
  3. Capacity Anomalies: Erkennung physikalischer Unmöglichkeiten (z.B. Nettoleistung > Bruttoleistung) oder extrem unplausibler Kapazitäten (> 50 MW bei lokaler Solar-Anlage).
  4. Connection Points: Das Herzstück für Redispatch 2.0! Der Agent prüft auf fehlende Netzanschlusspunkte (NAP), fehlende Messlokationen (MeLo) bei Anlagen ≥100 kW oder falsche Spannungsebenen.
  5. Duplicate Detection & Geo Spot Checks: Heuristische Erkennung von Doppel-Meldungen und geographische Validierung kritischer (≥100 kW) Anlagen über das osm-geo.validate Modul.
  6. Audit Trail: Versiegelung des Reports in einem PouchDB-Snapshot für vollständige Revisionssicherheit.

Der Quality Score (0–100)

Das Ergebnis des Audits ist ein gewichteter qualityScore über fünf Dimensionen (Connection Points 30%, Capacity 20%, Geo 20%, Status 15%, Duplicates 15%). Dazu haben wir die Engine um 25 hochspezifische MQ_* (MaStR Quality) Finding-Codes erweitert (z.B. MQ_REDISPATCH_NO_NAP oder MQ_NETTO_EXCEEDS_BRUTTO).

Für IT-Architekten (Security & Integration): Der Service ist ab sofort über drei neue REST-Endpunkte (POST /api/mastr-quality/audit, GET /api/mastr-quality/audits) erreichbar. Aus strikten KRITIS-Compliance-Gründen werden die rohen Anlagendaten durch Cernion niemals persistiert. Lediglich das strukturierte Audit-Ergebnis wird in einer isolierten, lokalen Datenbank abgelegt.

Damit liefern wir Stadtwerken das dringend benötigte Werkzeug, um die Pflichten aus § 14 EnWG und § 52 EEG zu erfüllen und das eigene MaStR-Portfolio fit für echte, automatisierte Massenprozesse zu machen.

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